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Auf der CES 2026 wurden neun aktuelle humanoide Roboter vorgestellt. Neura Robotics setzt dabei auf Roboter mit kognitiven Fähigkeiten.

Kognitive Roboter sind in der Lage, ihre Umgebung zu verstehen sowie durch Interaktion zu lernen und können somit direkt mit Menschen zusammenarbeiten.
Robin Kaufmann, Neura Robotics

CES 2026 NEURA Robotics Booth – Quelle https://media-neurarobotics.px.media/collections/1022147763/media/302789986/info

Vom Messe-Highlight zur Realität – Besuch bei Neura Robotics

Mit unserem adesso-Team für digitale Produktion besuchten wir am 16.01.2026 Neura Robotics. Hierbei haben wir einen spannenden Einblick in die Entwicklung von Neura bekommen und intensiv die Frage diskutiert: Sind kognitive humanoide Roboter auch in der Lage mit modernen Manufacturing Operation Management (MOM) Systemen zusammenarbeiten, um eine durchgängige digitale Integration sicherzustellen?

Dieser Blog-Beitrag zeigt anhand von konkreten Beispielen mit Opcenter Discrete und adesso-Projekten aus dem Bereich Produktion, welche Herausforderungen in den nächsten Jahren neben der eigentlichen Entwicklung und Verbesserung im Bereich der Robotik umzusetzen sind.

Neura Robotics wurde 2019 von David Reger gegründet und ist ein schnell wachsendes Start-up, das sich vollständig auf die Entwicklung von Robotersystemen konzentriert. Im Industriegebiet von Riederich sahen wir, welche Gebäude Neura in den letzten Jahren übernommen hat und wie dort in Rekordzeit ein modernes Unternehmen aufgebaut wird. Besonders eindrucksvoll waren die „Neura Gyms“, in denen an verschiedensten Robotics Cases von Handwerk bis Haushalt gearbeitet wird.

Parallel baut Neura die eigene Produktion als Co-Working-Stationen von Menschen und Neura-Robotern aus, um den wachsenden Bedarf decken zu können. Hierbei wird klar, dass Roboter nicht mehr hinter großen Zäunen arbeiten, sondern die Mensch-Maschine-Interaktion eng gelebt wird. Zum Beispiel wird die komplexe Kabelführung aktuell noch von Werkerinnen und Werkern durchgeführt, während Schraubvorgänge vollautomatisch von den Neura-Robotern erledigt werden. Ein spannender Ausblick aus dem Neura Lab war, wie Roboter miteinander kooperieren oder Standardwerkzeuge nutzen, um Aufgaben zu erledigen.

Warum klassische MOM-Systeme zum Engpass werden

Spätestens an diesem Punkt ist die Frage nach dem „Ob“ geklärt. Es steht fest, dass Roboter künftig auch in der Kleinserienfertigung eingesetzt werden. Dabei übernehmen sie vielfältige Aufgaben wie Transport, Fertigung, Nacharbeit, Qualitätschecks und Reparaturen.

Die eigentliche Frage ist nun, wie man sie am besten in die bestehenden Manufacturing-Operations-Management-Systeme integriert. Zudem muss geklärt werden, ob diese Systeme überhaupt bereit für solche „Team Member“ sind. Das gilt insbesondere dann, wenn es sich nicht mehr nur um fest montierte Roboterarme handelt, sondern um hochflexible, humanoide Roboter.

Die Digitalisierung des Shopfloors ist immer noch eine große Baustelle. Es gibt noch viele Produktionen, die ohne ein modernes MOM betrieben werden. Meiner Meinung nach wird die Rolle des MOM aber in Zukunft noch wichtiger, je mehr flexible Roboter eingesetzt werden, um die Produktion weiter zu automatisieren. In Zeiten von Fachkräftemangel, demografischem Wandel und wachsender internationaler Konkurrenz ist dieser Schritt auch für den Maschinenbau abseits der „High Runner“ der Automobilindustrie unabdingbar. Die hohe Individualität und die kleinen Stückzahlen der komplexen Anlagen haben dies bisher verhindert. Je flexibler die Robotik, desto wichtiger wird ein starkes, integriertes MOM als Rückgrat.

Opcenter Execution Discrete: Heute schon Roboterressourcen im Blick

Ein Beispiel für ein MOM ist Opcenter Execution Discrete (Opcenter). Seit 2025, ist adesso Partner von Siemens für das komplette Siemens-Xcelerator-Portfolio. Hierbei legen wir einen Fokus auf Opcenter (vormals bekannt als SIMATIC IT Unified Architecture Discrete Manufacturing) als digitales Abbild des Shopfloors. Aktuell werden dort Roboter als Ressource behandelt, die ein abgegrenztes Aufgabenset haben.

Opcenter Discrete ist ein MOM für die diskrete Fertigung – also Fertigung, bei der zählbare Güter (zum Beispiel Teile, Baugruppen, Maschinen, Autos) hergestellt werden. Hierbei gibt es keinen dedizierten Branchenfokus, sondern es bedient sowohl Automobil- und Luftfahrtzulieferung und -industrie, Maschinenbau als auch Geräteherstellung.

So können kognitive humanoide Roboter in Opcenter Discrete heute abgebildet werden

Aktuell kann ein kognitiver Roboter klassisch

  • als Work Center oder Equipment (automatisches Produktionsmittel)
  • als Work Center oder Equipment (als Prüfmittel)
  • als Werker (Unterstützung für menschliche Werker)
  • als Logistikressource (Sortieren, Umpacken, Transportieren) eingesetzt werden.

Im Folgenden wird dargestellt, wie eine solche Konfiguration als Work Center beziehungsweise Equipment durchgeführt wird.

In Opcenter Discrete werden physische Produktionsmittel im Factory Model als eigenständige Work Center oder als Equipment innerhalb eines bestehenden Work Centers konfiguriert. Es handelt sich um Produktionsressourcen, mit denen der Work-in-Progress abgearbeitet wird.

Der humanoide Roboter sollte als Equipment-Ressource definiert werden. Diese Ressource hat eine eindeutige ID und Beschreibung (zum Beispiel EQ-H-COBOT-01, „Humanoid Cognitive Robot – Schraub- und Prüfstation“). Der Ressourcentyp wird so gewählt, dass er als automatisiertes Equipment erkennbar ist, analog zu anderen Maschinenressourcen.

Weiterhin muss eine Kapazität der Ressource hinterlegt werden (Schichten, Wartungsfenster, Parallelität), damit Opcenter Discrete bei der Resource Allocation korrekt planen und steuern kann. Außerdem müssen die Fähigkeiten des Roboters im Fertigungsprozess beschrieben werden (Schrauben, Prüfen, Behandeln) und die Anbindung an die Robotersteuerung (Shopfloor-Integration) technisch umgesetzt werden (per OPC UA, REST, TCP/IP-Telegramm), um Status- und Auftragsinformationen sowie Start- und Endzeiten von Aufträgen, Prozess- oder Störzeiten zu steuern und zu erfassen. Abschließend müssen noch Produktionsroutings den relevanten Operationen des Roboter-Work-Centers beziehungsweise Roboter-Equipments zugeordnet werden.

Grenzen heutiger MOM-Systeme bei kognitiven Robotern

Die Beispiele von der CES 2026 und unser Besuch bei Neura Robotics zeigen deutlich: Die Zukunft ist nicht mehr weit weg – kognitive humanoide Roboter sind von der Vision zur greifbaren Realität geworden. Gleichzeitig machen die Einblicke in Opcenter Discrete und unsere Projekte in der Produktion klar, dass die digitale Orchestrierung dieser neuen „Kollegen“ über ein MOM heute noch ihre Grenzen hat.

Auf die Einstiegsfrage lässt sich daher nur eine nuancierte Antwort geben:

Sind aktuelle Manufacturing Operation Management (MOM) Systeme mit kognitiven humanoiden Robotern kompatibel?

Ja, aktuelle MOM-Systeme wie Opcenter Discrete können kognitive humanoide Roboter bereits integrieren:

  • als Work Center
  • als Equipment
  • als Worker Assistance
  • als Logistikressource

Sie sind damit grundsätzlich kompatibel.

Die Antwort ist aber auch Nein: MOM-Systeme schöpfen das Potenzial dieser Roboter noch nicht aus, wenn es um wirklich flexible und lernende Fähigkeiten geht. Die Einsatzszenarien und die Fähigkeiten können sich zudem laufend verändern. Dies sollte dynamisch in die Planung und Ausführung durch ein MOM berücksichtigt werden.

Genau hier wird das MOM in Zukunft noch stärker zum Orchestrator der Ressourcen. Es koordiniert Menschen, klassische Maschinen, mobile Systeme und kognitive Roboter in einem gemeinsamen digitalen Modell. Damit das gelingt, müssen die MOM-Systeme und explizit auch Opcenter Discrete über feste Routings und statische Ressourcen- und Fähigkeitsmodelle hinauswachsen.


Wie adesso Sie auf dem Weg zur digitalen Produktion unterstützt

Unsere adesso Fachleute sprechen mit euch darüber, wie MOM-Systeme wie Opcenter Discrete in Ihrer Produktion sinnvoll einen Beitrag leisten können. Sprecht uns an – egal, ob euer Unternehmen noch am Anfang steht oder bereits konkrete Use Cases im Kopf hat.

  • Bestandsaufnahme des Shopfloor- und der MOM-Landschaft durchzuführen und zu bewerten, wie gut sie für die moderne Produktion vorbereitet ist,
  • IT/OT-Integrationsarchitektur zwischen MOM, bestehenden Automatisierungssystemen und (humanoiden) Robotern zu entwerfen, inklusive Schnittstellen, Datenmodellen und Sicherheitskonzepten,
  • Digitale Pilotprojekte für eine moderne Produktion aufzusetzen,
  • Erfolgreiche Piloten Schritt für Schritt in eine skalierbare sichere Serienlösung zu überführen.

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Picture Uwe  Pohlmann

Author Dr. Uwe Pohlmann

As an experienced software architect and consultant at adesso, Dr Uwe Pohlmann combines comprehensive expertise in the operational management and development of global production software platforms. His strengths lie in the design of scalable architectures and the efficient implementation of production-related digitalisation projects with data connectivity for production machines.

Category:

Industries

Tags:

Digital production